Böötle
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Ob in der Aare, auf der Limmat oder dem Rhein: das Schlauchbootfahren ist ein Freizeitvergnügen, das beinahe an jedem Fluss möglich ist und in der Schweiz eine immense Popularität geniesst. Das Boot wird dir von immer mehr Anbietern gleich schwimmbereit zur Verfügung gestellt und am Abstellort wieder abgeholt. Wichtig ist beim Böötle zu beachte, dass du den Ausstieg rechtzeitig vor Gefahrenstellen, Kraftwerken und Wehren beginnst.

FAQ Böötle

Wehre mit ihren Staustufen und Wasserwalzen sind eine grosse und oft unterschätzte Gefahrenquelle. Wichtig ist: Vor jedem Flusskraftwerk musst du auswässern, das Schlauchboot rund herum tragen und danach wieder wässern. Auch Brücken, Kursschiffe, Wiffe (Schifffahrtszeichen auf Pfählen im Wasser) und grössere Felsblöcke können dir zur Gefahr werden. Oft entstehen dort auch Wasserwirbel, die gern unterschätzt werden. Manchmal wird auf Schildern mit „Vorsicht Schwallwasser“ gewarnt. Unterhalb von Wasserkraftwerken kann es zu plötzlich auftretenden Hochwassern kommen. Diese Warnschilder solltest du sehr ernst nehmen und bei rasch ansteigendem Wasser diese Stellen so schnell wie möglich verlassen. In den Jahren von 2011 bis 2020 starben durchschnittlich 45 Menschen pro Jahr in Schweizer Gewässern.

Prinzipiell sind alle Flüsse und Flussteile in der Schweiz fürs Böötle geeignet. Hier eine Aufstellung besonderer Gefahrenstellen in Aare, Limmat, Reuss, Rhein und Rhone:

  • Aare: 20 Staustufen/Wehranlagen vor den Kraftwerken Ruppoldingen, Gösgen, Aarau, Rüchlig, Rupperswil-Auenstein, Wildegg-Brugg, Beznau, Klingnau, Aarberg, Bannwil, Felsenau, Flumenthal, Hagneck, Mühleberg, Niederried/Radelfingen, Wynau, Brügg, Interlaken, Kallnach und Schwarzhäusern; Gefahrenstellen sind auch die Aarewaage „Woog“ Aarburg und die Aareschlucht, Spornverbauungen mit Widerwasser bei Kehrsatz-Muri sowie die Uttigen-Welle, Nydeggbrücke.
  • Limmat: 10 Wehranlagen/Staustufen vor den Flusskraftwerken Stroppel, Höngg, Turgi, Schiffmühle, Kappelerhof, Oederlin, Aue, Wettingen, Dietikon und Letten. Insbesondere die Wehranlage Höngg ist immer wieder Schauplatz schwerer Unfälle.
  • Reuss: 8 Wehre vor den Kraftwerken Bremgarten-Zufikon, Bremgarten-Bruggmühle Windisch, Amsteg, Wassen, Mühlenplatz, Perlen und Rathausen; Gefahrenstellen Gnadenthal und St.-Anna-Loch. Das Wehr beim Reussbädli kurz vor der alten Spinnerei Kunz in Windisch ist besonders betroffen.
  • Rhein: 11 Staustufen vor den 12 Flusskraftwerken Reckingen, Albbruck-Dogern, Laufenburg, Säckingen, Ryburg-Schwörstadt, Rheinfelden, Augst-Wyhlen (zwei), Rheinau, Schaffhausen, Eglisau-Glattfelden, Birsfelden und Kembs; Gefahrenstelle Koblenzer Laufen. Schaffhausen wird von Stein her gern angefahren.
  • Rhone: 4 Staustufen vor den Wasserkraftwerken Chancy-Pougny, Gletsch-Oberwald, Verbois, Massaboden

Zu den sicherheitsrelevanten Dingen gehören:

  • Rettungsweste mit Kragen, Trockensack, Paddel und Luftpumpe (wird bei Bootsmiete und geführten Touren zur Verfügung gestellt)
  • Sonnencreme, Kopfbedeckung, ausreichend Wasser zum Trinken, Sonnenbrille.
  • Die Paddel sollten stark und teilbar sein und aus Aluminiumrohren mit Metallfeder-Verschlusssystem bestehen (Kosten: ca. 70 CHF).
  • Bei den Pumpen empfehlen sich Fusspumpen (ab 10 CHF).

Nicht sicherheitsrelevant, aber wichtig:

  • Badekleidung, grosses Badetuch
  • Abfallsack
  • Neoprenanzug bei kühleren Wassertemperaturen (kann ausgeliehen werden)
  • Pullover, wenn es in die Abendstunden geht
  • bequeme Flipflops
  • Feuerzeug und Anzündwürfel fürs BBQ
  • Emergency-Kit für Mensch & Gummiboot: Sackmesser, Isolierklebband, Pflaster, Après Sun Lotion
  • wasserfeste Kamera, wasserfeste Hülle für Smartphone u.ä.
  • Kühlbox für Getränke und Verpflegung
  • ein Seil, um das Boot in Pausen festzubinden.

Mit einem zusammenklappbaren Bootswagen kannst du Kraftwerke und Wehre kraftsparend passieren.

Seit 01.01.2020 gibt es verschärfte Sicherheitsvorschriften. Beim Böötle muss seither entweder ein Rettungsring pro Boot vorhanden sein oder pro Person eine Rettungsweste mit Kragen. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat Regeln für die sichere Flussfahrt im Gummiboot herausgegeben:

  • Schwimmweste auf Flüssen tragen
  • Mitführen eines Rettungsmittels gemäss Binnenschifffahrtsverordnung auf Schlauchbooten, Paddelbooten, Ruderbooten
  • Boote kürzer als 4 Meter Länge müssen mit Namen und Adresse beschriftet sein, am besten auch mit Tel.-Nr. Es muss gut sichtbar sein und ist möglicherweise lebensrettend. Dazu gehören z.B. Strandboote, Gummiboote, Standup-Bretter, Paddelboote, Rennruderboote oder Surfbretter.
  • Nur fahrtüchtige Personen dürfen ein Boot steuern (kein Alkohol, Drogen etc.)
  • Kursschiffe haben immer Vortritt (ausreichend Abstand halten)
  • Kontrollen werden von den zuständigen Kantonen und ihren Polizeieinheiten durchgeführt.

Seit 2020 werden auch Bussen ausgesprochen. Beispielsweise kosten die Nichteinhaltung der Beschriftung 40 CHF und das Fehlen eines Rettungsmittels 50 CHF. Schwimmhilfen gelten übrigens nicht als Rettungsmittel. Zwar wurde die Promillegrenze für Schiffe unter 2,5 Metern und nicht motorisierte Gummiboote unter vier Metern aufgehoben, aber wer das Boot steuert, darf keinen Alkohol trinken, da er sonst nicht fahrtüchtig ist.

Folgende Regeln hat die SLRG veröffentlicht:

  • Rettungsweste anziehen
  • Höchstlast des Bootes einhalten (ist auf jedem Boot angegeben)
  • Boote nicht zusammenbinden
  • unbekannte Flussabschnitte vor der Fahrt erkunden
  • nur gute und geübte Schwimmer in freie Gewässer (Flüsse, Weiher und Seen)
  • je kälter das Wasser, desto kürzer der Aufenthalt darin

Tipps der bfu:

  • vor Kälte schützen: nicht zu lange im kalten Wasser bleiben, dies könnte Muskelkrämpfe hervorbringen
  • vor Sonne schützen: Kopfbedeckung und Sonnencreme
  • keine Boote zusammenbinden, da du sonst manövrierunfähig wirst
  • keine Menschen am Boot festbinden: bleibt das Boot hängen, werden sie unter Wasser gezogen
  • vor der Fahrt abklären, wo man gut ein- und aussteigen kann