

Event · Kultur · Interlaken
Der Thunersee et ses Environs
So. 13. Juni, 11:00
Kunsthaus Interlaken · Jungfraustrasse 55, 3800 Interlaken
- ab CHF 8
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Darum geht’s
DER THUNERSEE ET SES ENVIRONS Das Berner Oberland gehörte zu den frühesten Zielen touristischer Reisen. Eine wichtige Rolle bei der Förderung des frühen Fremdenverkehrs bildeten die Reiseführer, die im späten 18. Jahrhundert allmählich in Mode kamen., so etwa die «Anleitung auf die nützlichste und genussvollste Art in der Schweitz zu reisen» von Johann G. Ebel (1764 – 1830), die 1793 erstmals herausgegeben wurde. Die bekannteste Tour in unserer Gegend führte um 1880 von Interlaken nach Lauterbrunnen (Staubbach), über Wengernalp und kleine und grosse Scheidegg nach Meiringen, ins Rosenlaui und über den Brienzersee zurück nach Interlaken. Für diese Reise war die Schifffahrt auf dem Thunersee wichtiger Bestandteil. Sie wurde auf dem Thunersee ab 1835 mit Dampfschiffen betrieben und wurde von den Reisenden gegenüber dem Kutschenbetrieb auf den kaum ausgebauten Wegen entlang dem Thunersee bevorzugt. Thun war wichtiger Ausgangspunkt dieser Reise und verfügte mit dem 1783 erbauten Freienhof über den damals modernsten Gasthof weit und breit. 1834 wurde in Thun-Hofstetten das Gästehaus «Hotel Bellevue et des Bains» errichtet, das als das erste moderne Hotel des Berner Oberlandes gilt. Mit den ersten Touristen kamen seit dem späten 18. Jahrhundert auch zahlreiche Künstler in unsere Gegend. Ihre Darstellungen der grossartigen Landschaften, die mit Hilfe der Tiefdrucktechniken bald auch auf einfachste Weise vervielfältigt werden konnten, trugen massgeblich zur Entwicklung des Tourismus bei. Zur Ausstellung im Kunsthaus Die Ausstellung Der Thunersee et ses Environ umfasst Werke aus dieser Frühzeit bis ins 21. Jahrhundert. Caspar Wolf (1735-1783) steht mit seinem Werk Gewitter über dem Thunersee (ca. 1774/77) am Anfang einer bis heute andauernden künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Alpensee und seiner Umgebung. Eine ganze Reihe von Künstlern – Kleinmeister, wie man die Zeichner dieser farbig aquarellierten Blätter auch nennt – folgten und trugen mit ihren eindrücklichen Darstellungen viel zu jenem Bild des Berner Oberlandes bei, das bis heute für hunderttausende Besucher Magnet geblieben ist. Neben Heinrich Rieter* (1751–1818) seien Gabriel Lory Père* (1763–1840) und Gabriel Lory Fils* (1784–1864) erwähnt, dazu Johann Jakob Wetzel (1781–1834) und Franz Niklaus König* (1765–1832), der in Interlaken und Unterseen wohnhaft war. Der Thunersee war auch für Ferdinand Hodler (1853 – 1918), dem wichtigsten Maler unserer Region, ein zentrales Thema. Immer wieder, von verschiedenen Standorten und zu verschiedenen Zeiten, malte der Künstler den See und die umliegenden Berge. Seine Werk in der Ausstellung vertreten zu haben, ist ein Muss. 1910 zieht der Berner Maler Louis Moilliet (1880–1962) an den Thunersee nach Gunten. Hier verkehren für eine kurze Zeit auch die berühmten Maler August Macke (1887–1914) und Paul Klee (1879–1940). Beide haben die Seelandschaft in verschiedenen Werken festgehalten. In der Zeit nach Hodler haben sich bis heute zahlreiche Künstlerinnen und Künstler mit dem Motiv Thunersee auseinandergesetzt. Viele sind dabei aber kaum über epigonenhafte (vom grossen Meister Hodler beeinflusste) Landschaftsdarstellungen hinausgekommen. Erst in jüngerer Zeit finden sich wieder eigenständige Auseinandersetzungen mit dem Thema, was auch mit den neuen Medien zusammenhängt, die in der Gegenwartskunst Eingang gefunden haben: Fotografie, Film, Video ... Die Ausstellung zeigt verschiedene eigenständige Positionen aus neuer und neuster Zeit: So Arbeiten von Cuno Amiet, Hanny Bay, Bendicht Friedli, Gottfried Tritten, Etienne Clare, Heinrich Gartentor, Jean Frédéric Schnyder, Anna Spühler, Chantal Michel, u.a. Touristischer Hintergrund Wie schon in den sehr beachteten Ausstellungen zum Brienzersee und zu den Grindelwaldgletschern und zum Rosenlaui sollen auch in dieser Exposition die historischen Zusammenhänge von Kunst und Tourismus im 18. und 19. Jahrhundert in unserer Gegend aufgezeigt werden. Alte grafische Ansichten, historische Fotografien und Werbeplakate werden mit wenig Text (auch fremdsprachig) diese «Sonderschau» bebildern. Die Sonderschau im ersten Stock des Kunsthauses beleuchtet die Bedeutung des Thunersees für die Entwicklung des Tourismus nach den Unspunnenfesten 1805/08. Die Werbung vor den beiden Unspunnenfesten in ganz Europa als auch die ausführliche Berichterstattung danach waren so gut, dass noch Jahrzehnte später Besucher ins Oberland kamen, um den Platz der Unspunnenfeste zu besuchen. Heute gelten die beiden ersten Feste als Initialzündung des modernen Tourismus. Die fremden Gäste mussten verpflegt und beherbergt werden. Die einheimische Bevölkerung merkte, dass man mit den Gästen Geld verdienen kann. Bald wurden die ersten Pensionen gegründet und um 1850 entstanden die berühmten Hotelbauten an der Höhematte. Der Beginn der Dampfschifffahrt auf dem Thunersee ermöglichte ab 1835 den Transport grösserer Touristengruppen nach Interlaken ins engere Oberland, nach Grindelwald und seine Nachbartäler Lauterbrunnen und Oberhasli. Die Gegen wurde bald auch Ziel zahlreicher Künstler. Neben einem kurzen geschichtlichen Rückblick steht auch in diesem Teil der Ausstellung die Kunst im Vordergrund. Historische Plakate von Künstlern und Grafikern zeugen von den hohen Ansprüchen, welche man in der Vergangenheit an die Plakatgestaltung stellte. Maler wie Etienne Clare oder Otto Baumberger gestalteten für den See und die umliegenden Orte Werbeplakate, die oft als originale Lithografien in Thun in der Lithografieanstalt Casserini oder in Meiringen bei der Kunstanstalt Brügger gezeichnet und gedruckt worden sind. Das Aufkommen des Offset-Drucks verdrängte die Lithografie und damit auch die Künstler aus der Werbegrafik. Dadurch und durch die grosse Bandbreite und Qualität der ausgestellten Kunstwerke wird die Ausstellung zum Thunersee sowohl für einheimische Kunstfreunde als auch für Gäste unserer Region (kunstinteressierte und nicht kunstinteressierte, an Regentagen und bei Schönwetter) zum spannenden Erlebnis.
Gut zu wissen
- Veranstalter: Interlaken Tourismus
- Quelle: Guidle Events (Swiss-Activities)
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